Tauchboot - Brandtaucher - Zu Besuch im Militärhistorischen Museum Dresden

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Tauchboot - Brandtaucher

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Zeichnung Brandtaucher


DER "BRANDTAUCHER"
das älteste erhaltene Tauchboot der Welt
Konstrukteur und Erbauer
WILHELM BAUER (1822-1875)


Ausstellungskomponenten

-  Tauchboot "Brandtaucher"
-  Modell des Brandtauchers




AUSWAHL BILDER

*Militärhistorisches Museum Dresden



Flash Animation, Modell Brandtaucher

Flash Animation
Modell des Brandtauchers MHM Dresden
Fotograf/Copyright: Stasiak
Aufnahme: 1998

Allgemeiner Aufbau des Brandtauchers

Der Brandtaucher ist ein projektierter Stahlschiffskörper, der aus aufgenieteten Platten auf Profile besteht. Die Platten bestehen aus entkohlten Roheisen, was im sogenannten Puddel-Verfahren hergestellt wurde. Die Umlaufbalken bestanden aus Holz.
[ Puddel-Verfahren: Spezielles Verfahren zur Entkohlung von Roheisen in einem Puddel-Ofen. Durch erhitzten und umrühren des teigig-flüssigen Roheisens gewinnt man durch den Entzug des Kohlenstoffes das schlackenhaltige Schweißeisen. ]
Das Eisen wurde durch Walzen gestreckt und die entstehenden Streifen mit einer bestimmten Zugfestigkeit zum Bau verwendet. Die Außenhaut besaß zum Schutz mehrere Anstriche, wobei die untere Lage aus Schiffsteer bestand. ( sehr zähflüssig, Schutz vor Rost) Augenscheinlich ist heute noch zu erkennen, dass zwischen der Bestückung besser entwickelten Einrichtung und Ausrüstung, zu der Technologie von Herstellung des Schiffskörpers, ein erheblich qualitativer Unterschied vorlag. Zu erklären ist dies wahrscheinlich, dass der Bau des Brandtauchers in der Zeit mit Beginn des Eisenschiffsbaues fiel. Man kommt nicht umhin, die Konstrukion und den praktischen Bau des Tauchfahrzeuges als
Meilenstein und Grundlage der späteren rasanten Baues von Unterseebooten zu betrachten. Mancher Technikfraek kommt bei genauerer Betrachtung des wieder Aufgebauten Exponates ins schwärmen. Interessante Schwerpunkte sind die Verarbeitung und vielen Details die man auch heute noch gut erkennen kann.

Einstiegsluke mit Deckel
(rückseitig  in schräger Turmdecke eingefasst 457x585 mm)
4 mm  starker Luken Deckel mit 250 mm Ausbrand  
für Bulley, der mit Z-Zargen wasserdicht mit dem Deckel verbunden ist, schließbar mit zwei Vorreiber über Schließkeile, öffnen der Luke nach oben,
gehalten durch zwei Scharniere

Buleys in den Turmseiten & Wände
je Turmseite Ausbrand 250 mm
weitere Ausbrände in der senkrechten und schrägen
Platte (250 und 150 mm),

Stärke der Bullaugengläser 20 mm,

die Abdichtung erfolgte beiderseitig durch      

Bleidichtungen in Z - Profilen,

zusätzliche Dichtungen

durch bleifreien Kitt & Leinölfirnis

Handlöcher für Greifhandschuhe in den Turmseiten
Aussparungen von 280x260 mm mit unterer Abschrägung,

Aufnietung von Winkeln auf die Öffnungen,

- Zwei Rienge umfassen die Segeltucharme
- mit Segeltuchhandschuhen konnte bequem ein Besatzungsmitglied durch fassen und
durch die vorderen Bullaugen sehen

Antriebsanlage
bestehend aus Getriebeständer, Getriebe, Wellenleitung und
Propeller
Getriebeständer: Gusseiserne Böcke im Winkelprofil + Aufnahme
durch Verbindungsstangen für das Getriebe.
Getriebe:  Abtriebskegelräder mit Wellen für die Verbindung zu den Treträdern,
Zwei Stirnräder mit Keilbefestigung + kleine Getrieberäder.
Wellenleitung:

Weiterleitung der Kräfte vom Getriebe zum Propeller,
Getriebe - Kupplung - Zwischenwelle ( 1x gelagert )
- Klauenkupplung - Schwanzwelle ( 2x gelagert )
- Stopfbuchse - Propellernabe.
Propeller:
Gusseiserner Nabenkörper mit aufgeschraubten Flügelblätter für normalen Dreh sinn links.
In der gesamten Form ist ein Kreissegment.
Daten:

  
~Durchmesser D  1,20 m
  ~Steigung H  0,373 m
  ~H/D   0,31
  ~abgewickelte
Flügelfläche Fa  0,45  m²
  ~ges.Flügelfläche  1,362 m²
  ~Flügelanzahl  3
  ~Nabendurchmesser 0,125
  ~Profil   gleichmäßig gewölbte Platte

Ruderanlage:
Die Ruderanlage besteht aus dem Ruderblatt mit geteilten Gestänge zur Bedienung durch ein Gusseisernes Handrad.
Trimmeinrichtung:
zum Ausgleich geringer Trimmänderungen mit 500 kg

Lauf - Gewicht mittels Spindel auf einer Schienenbahn, was über Kegelräder durch ein Handrad betrieben wird.

Das Lauf - Gewicht wurde in zwei  4 450 mm langen Winkeln geführt.
Lenzpumpen:
Eine Lenzpumpe im vorderen Teil und eine
Lenzpumpen im hinteren Teil des Bootes, sollten
das im Kielraum eingelassene Wasser Außerbords
wieder heraus befördern.

Fördermenge vordere Lenzpumpe >  1,69 m²/h
Fördermenge hintere Lenzpumpe   >  1,31 m²/h

Die maximal überwindbare Druckhöhe ist 49 m, die das Körpergewicht eines Mannes gerade noch aufbrachte um die Hebelgestänge zu bedienen.

Regenerieanlage:
Dient zur Luftregenerierung und befindet sich im Hinterschiff. Im Zylinder befinden sich, doppelt wirkende Handkolbenpumpe. Durch ein im Deck eingelassenes Ventil wird Frischluft angesaugt und gleichzeitig über ein weiteres Ventil die Abluft ausgepresst. Bestandteile sind u.a. Behälter aus Kupferblech mit doppelten Balg, Hebelsystem, Rohrleitungen und Ventilen.
Tauchventiel:
Haupteinlassventil zum Tauchen, was sich auf der
Bb.-Seite befindet und auf der Außenhaut auf genietet ist.
Im inneren war das Ventil durch ein Handrad Mit Spindel zum öffnen und schließen zu bedienen. Einlassquerschnitt beträgt  212 cm²
Tiefenmesser:
Manometer zur Tiefenanzeige, Druckmesser über ein einfaches Rohr-Kolben-Feder zur Zeigerbewegung.

Tauchversuch

Am 01. Februar 1851 erfolgte der erste und einzige Tauchversuch.
Aus Gründen akuten Geldmangels, kam es zu erheblichen Abweichungen  gegenüber den  Konstruktionsplänen von W.  Bauer. Der  Tauchversuch  misslang und das Boot sank an der tiefsten Stelle im Kieler Hafen auf 15 m Tiefe.
Das Boot war nicht waagerecht zu halten. Balastwasser sammelte sich im Heck und vergrößerte die Schräglage des Tauchbootes . Zusätzlich drang Wasser durch die undichte Einstiegsluke . Durch den zunehmenden Wasserdruck, wurde die linke Wand eingedrückt, wo weitere undichte Stellen entstanden.
Sofort eingeleitete Rettungsmaßnahmen blieben erfolglos. In dieser komplizierten Situation entschied sich Bauer mit seinen zwei Männern für das einzig richtige.
Sie warteten bis das eindringende Wasser den Druckausgleich hergestellt hat, öffneten die Einstiegsluke und ließen sich nacheinander mit der ausströmende Luft nach oben tragen. Sie waren  gerettet.


Ursachen des Unterganges des Brandtauchers am 01. Februar 1851 (gesunken auf Grund bei ca. 15 m im Kieler - Hafen)
Gründe:
1. Aus Geldmangel schwächere Bauart durchgeführt, als es die Konstruktion vorsah.
2. Bei Voraussehbahren Missglück zur rechten Zeit mit Sicherheitsmaßregeln vorzubeugen.
3. Fehlende Ballastwassertanks.
4. Schlecht gewartete Übertragungsteile

Das lose im Kielraum befindliche Ballastwasser fließt dem Heck zu und vergrößert in kurzer Zeit den Hecklastigen Trimm so stark, dass der theoretisch errechnete Trimm für das Gleichgewicht des Bootes nicht mehr den Brandtaucher stabilisierte, sondern das Boot Hecklästig blieb. Weiterhin war vermutlich das Hauptflutventil zu spät geschlossen worden und das Trimmgewicht auf der Spindel festgefressen. Mit etwa 28 °  achterlastiger Neigung kam das Boot in eine Tiefe, wo der Druck bei ca. 5 - 10 m Tiefe eine plastische Verformung der Außenhaut bewirkte und somit unter dieser Belastung sich die Nieten lösten. Teilweise splitterten die Umlaufbalken und die Rahmenspanten verformten sich. Dadurch drang noch zusätzlich Wasser in das Tauchboot. Ein weiterer Wassereinbruch ist durch die undichte Einstiegs-Luke entstanden.
Am später g
ehobenen Bootskörper wurden Umfangreiche Untersuchungen und Berechnungen durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen die wesentlichen damaligen Berichte der Ursachen und Auswirkungen des Unterganges. Die durchgeführten Untersuchungen, hinsichtlich seiner Festigkeit am Bootskörper zeigen, dass er aus heutiger Sichtals nicht tauchfähig bezeichnet werden muss.
Viele Einzelheiten über den Ablauf der Fahrt und Untergang des Brandtauchers sind teilweise bis heute noch ein Rätsel. Unterschiedliche nachweisbare Schilderungen und Aussagen der Besatzung einschließlich von Wilhelm Bauer lassen jedoch, auch heute noch, Widersprüche aufkommen.


Kurz Biografie
Wilhelm Sebastian Valentin Bauer

geboren:          
am 23. Dezember 1822
Geburtsort:       
Dillingen an der Donau
Vater:              
Korporal im 5. Bayrischen Chevanleger-Regiment, später Wachtmeister der königlichen Garde in München,
Schule:            
lateinische Vorbereitungsschule,
Lehre:              
als Drechsler mit Gesellenabschluss,
Wanderschaft:  Nürnberg, Hamburg, Bremen, Lübeck

Mai 1840:        
Soldat, trat als Freiwilliger in das 4.Bayrische Chevanleger-Regement in Augsburg ein, Leidenschaft:   Technische Probleme und Konstruktionen,
1848               
aus verschiedenen Umständen heraus, Unteroffizier in Schleswig - Holstein,
(Krieg zwischen Dänemark und Deutschland) entstand die Idee, unbemerkt militärische Handlungen zur Sprengung von Brücken und Schiffen, mit einem beweglichen, schwimmenden und tauchenden Apparat, durch anbringbaren Sprengstoff zu bewerkstelligen,
1850               
Vorlage des Planes seines Brandtauchers beim Generalkommando. Überraschend wurden finanzielle Mittel für den Bau eines Modelles bewilligt.
Vorführung des aus Kupfer gebauten Modells. Die Erwartungen entsprachen der begutachtenden
Kommission, der Auftrag zum Bau des Brandtauchers wurde erteilt,
Dezember 1850               
Fertigstellung des Brandtauchers,
01.Februar 1851  
Erbrobung vor Marinekommission im Kieler-Hafen,
Freiwillige Begleitung als Besatzung:
Zimmermann : Witt, Schmied:  Thomsen
Missglückter Tauchversuch, mit glücklicher Rettung,
Nach Beendigung des Krieges Entlassung aus dem Militärdienst,
April 1851
Rückkehr nach München, Studien mit Aufbau eines stark verbesserten Modells, Vorführung des neuen Modelles im Kreis des Königs von Bayern, Ludwig I.
Kein Interesse, sondern nur Annerkennung,
1852   
Wilhelm Bauer wurde überraschend nach Östereich gerufen. Vorführung des neuen Modells in Triest vor einer Abordnung des Marineministerium,
März 1852  
Nach Empfehlung, Vorführung vor dem Österreich`s Kaiser Franz Josef, Keine Auftragserteilung durch Differenzen in den leitenden Staatsebenen,
Juni 1852   
Rückkehr nach Deutschland,
Dezember 1852  
Vorstellung des Modelles in England, günstige Beurteilung von Königin Viktoria, das Modell ging auf eigenartiger Weise verloren,
Januar-Mai 1853  
Bau eines neuen Modell`s,
Ende Mai 1853
Erneute Vorführung in London vor der britischen Admiralität, Kritische Beurteilung und Widerstand verschiedener Kreise ließen den Bau platzen,
1854   
Angebot aus Paris zur Vorführung seines Modells, Aufgrund franz. Spionagetätigkeit musste er Frankreich spontan verlassen, Hartnäckig unternahm Bauer alles, un seine Ideen zu verwirklichen. Verschiedene hoffnungsvolle Anläufe gerieten ins Stocken. Bestechungsversuche von England in Hamburg und Berlin wies Bauer energiesch zurück. Ständig mussteer auf der Hut sein um seine ausgearbeiteten neuen Konstruktionspläne zu schützen. (z.Z. Rußland - England im Krieg) Bauer wandte sich nach Rußland und eine Kommission unter Großfürst Konstantin entschied sich für den Bau des Tauchfahrzeuges.
November 1855  
Fertigstellung des zweiten stark verbesserten Brandtauchers "der Petersburger Apparat"
Mai 1856   
Proberfahrten > 133 Fahrten führte Bauer erfolgreich mit diesem Boot durch, als erster führte Bauer dabei zahlreiche Unterwasserfotografien durch,
02. Oktober 1856  
Zur 134. Fahrt sank der zweite Brandtaucher ohne nachweisbaren technischen Mängel. Mißgunst und Sabotage waren vorausgegangen. In seiner zweiten Tätigkeit befaste sich Bauer mit der Hebetechnik für gesunkene Schiffe.(Hebezylinder, Tauchdruckkammern) Die Pläne kamen nicht zur Ausführung. Der Widerstand und Einfluß seiner Gegner wurde zu groß,
Frühjahr 1858  
Rückkehr mit seiner Frau Sophie, die er in Rußland geheiratet hat, nach München,
1863   
Hebung nach Plänen von Bauer des gesunkenen Schiffes " Ludwig ".
In der Folgezeit führte er weitere Konstruktionen und Experimente durch.
- Schießversuche unter Wasser im Starnberger See
- Entwurf und Angebot eines Küstenbranders an Preußen
(kam nicht zur Ausführung)
1864   
Sein weiteres Leben wurde durch zahlreiche Schicksalsschläge in den folgenden Jahren geprägt.
- Ältester Sohn Bauers starb plötzlich
- Zweiter Sohn verstarb
- kurze Zeit später verstarb seine Tochter
Herbst 1869  
Beginn einer langen schweren Krankheit, (Gicht) die ihm die Füße lähmten und er ans Bett gefesselt war. Seine Frau Sophie pflegte ihn mit unendlicher Geduld.
20. Juni 1875  
Wilhelm Bauer stirbt fast unbeachtet  und in Vergessenheit geraten in München. Sein Grab befindet sich auf dem nördlichen Friedhof in München.
Anmerkung:

Aus heutiger Sicht gilt Bauer wohl unbestritten als Pionier in Konstruktion und Durchführung, der Tauchfahrt.



QUELLENANGABEN
- "Der Brandtaucher" von Fritz Scheffel, verlegt bei Koehler & Amelang, Leipzig 1936
- "Das erste U-Boot der Welt : Die Erbauung des Seeteufels durch den Deutschen Wilhelm Bauer" von Heinz Oskar Wuttig, Verlag Steininger, Berlin 1941





 
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